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Neue Grenzen

Montag vor einer Woche wurden die Fäden an meinem Sprunggelenk endlich entfernt. Es ist soweit alles gut verheilt, obwohl der Arzt meinte, dass es wohl noch etwas früh sei. Ich erwähnte unsere Reise am selben Tag in Richtung Wien und die Wunde wurde mit ein paar Wundnahtstreifen versehen, eine Art Pflaster. Wir starteten also noch am Vormittag direkt nach dem Arztbesuch unsere Reise, denn die gepackten Koffer hatten wir bereits dabei. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Stuttgart bei meinen Schwiegereltern zum Kaffee, ging es weiter zum Starnberger See zu unseren Freunden. Der Dienstag startete bereits um fünf Uhr morgens, definitiv nicht unsere Zeit zum Aufstehen. Aber wir müssen zeitig los, denn die Westbahn, die uns nach Wien bringt, geht bereits um 7.30 Uhr vom Münchner Hauptbahnhof. Der Zug startet pünktlich und viereinhalb Stunden später erreichen wir Wien. Den ersten Angstgegner habe ich gut überstanden – langes sitzen ist so gar nicht mein Ding. Nach dem Checkinn im Hotel, das zum Glück sehr zentral liegt, geht´s auch gleich los zu Fuß die Stadt zu erkunden. Ein wenig Bammel hatte ich schon davor, denn wenn es sehr heiß ist, schwellen meine Füße extrem an und dann kommt Spannung auf die Narbe. Aber ich wollte weder die Operation verschieben noch die Tour nach Wien absagen.

Ingesamt waren wir vier Tage in Wien. Wir waren viel zu Fuß unterwegs und die Temperaturen stiegen täglich etwas höher, bis wir schließlich am Freitag 38 Grad hatten. Und so kam ich tatsächlich an meine körperlichen Grenzen. Ich kann seit der Chemotherapie im letzten Jahr überhaupt keine Hitze mehr ertragen. Mein Köper fährt dabei auf Hochtouren. Ich schwitze extrem, meine Füße werden immer dicker und meine allgemeinen Kräfte lassen nach. Auch viel trinken hilft mir dabei nicht. So wurden also öfters Pausen eingelegt – im klimatisierten Hotel oder in den Wiener Cafés mit all den köstlichen Leckereien. Was nicht unbedingt zuträglich für mein Gewicht und die Waage ist. Egal, weniger essen können wir nach dem Kurzurlaub wieder. Ich will jetzt einfach das Leben genießen.

Am Samstagabend waren wir wieder zu Hause. Nach fünf sehr intensiven, aber wunderschönen Tagen mit Freunden und natürlich mit Wien. Eine tolle Stadt, die wir ganz sicher nochmals besuchen werden. Was mich diese Reise aber auch gelehrt hat, dass ich auf gar keinen Fall zu einhundertprozent fit bin. Die Therapie hat wohl doch so einige Spuren hinterlassen. Ich muss mit meinen Kräften ganz arg haushalten. Und es liegt nicht an dem operierten Sprunggelenk. Das hat mir keine Beschwerden bereitet. Es war einfach die körperliche Verfassung bei dieser extremen Hitze. Sobald ich in der Sonne bin, fängt mein Kreislauf an durchzudrehen. Ich versuche mich überwiegend im Schatten aufzuhalten und selbst da ist es schwierig, wenn die Luft einfach zu dünn ist und die Hitze zu groß. Das sind wohl meine neuen Grenzen. Ob sich das irgendwann mal wieder gibt? Keine Ahnung. Auch das gehört wohl nun in den Rucksack einer Krebspatientin.