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Was für ein Tag

Eigentlich ein ganz normaler Freitag. Wobei, nicht ganz so normal wie jeder andere Tag. Wir waren zum Frühstück bei Freunden in Bad Homburg verabredet. Mein Mann hat extra dafür gestern noch frische Brötchen gebacken, die wir mitgenommen haben. Ein richtig schöner und entspannter Start in den Tag. Im Anschluss an den Besuch fuhren wir direkt in die Klinik, denn der monatliche Termin zur Blutentnahme steht wieder an. Ich bin gespannt, wie die Blutwerte sind.

In der Onkologie ist es ziemlich ruhig, es sind nur wenige Patienten da und die Schwestern wirken sehr entspannt. Das ist schön zu sehen, denn es gibt hier oft sehr stressige Momente, in denen das Personal total überlastet ist. Ich gehe direkt zur Anmeldung und meine „Freundin“ – Schwester Elfriede – sitzt dort. Na mal schauen wie ihre Laune heute ist. Ich begrüße sie ganz freundlich und sie grüßt super freundlich zurück. Hey – geht doch. Das war und ist leider nicht immer der Fall bei ihr. Sie wird sich doch in den letzten Tagen vor ihrer Altersrente nicht noch ändern? Ich frage sie nach meinem Rezept, das überraschenderweise bereits unterschrieben bereitliegt. Endlich bekomme ich das Medikament verschrieben, das mir vielleicht meinen Nachtschlaf zurückbringt und die Hitzewallungen unterdrückt. Im Vorfeld hatte ich meiner Onkologin in der Klinik geschrieben, das mir meine Frauenärztin das Medikament aus unerklärlichen Gründen nicht verschreiben will. Und jetzt halte ich endlich dieses Kassenrezept in der Hand. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das in mir auslöst. Nie zuvor habe ich mich so über ein Medikament gefreut.

Auf dem Nachhauseweg halte ich direkt an derApotheke an, allerdings muss ich noch bis morgen warten, da es nicht vorrätig ist und bestellt werden muss. Während der Autofahrt erhalte ich einen Anruf von einer Mitarbeiterin des Pharmaunternehmens Lilly in Bad Homburg. Sie habe ich im Juni auf einer Preisverleihung kennengelernt, bei der ich zu Gast war und wir haben über eine mögliche Zusammenarbeit zwischen unSICHTBAR und Lilly gesprochen. Die Idee ist eine Fotoausstellung im repräsentativen Foyer des Firmensitzes zu platzieren und so auf unSICHTBAR aufmerksam zu machen. Thematisch passen wir perfekt zusammen, da Lilly auch Krebsforschung betreibt und Medikamente speziell für Blut- und Brustkrebs vertreibt und Lilly auch eine eigene Stiftung hat, die gemeinnützige projekte unterstützt.

Die Mitarbeiterin selbst ist im Vertrieb tätig, hat mir aber einen Kontakt zur Kommunikationsabteilung hergestellt. Ich liebe es immerwieder, wenn Netzwerke so wunderbar funktionieren. Nach einem kurzen Emailverkehr telefonieren wir direkt miteinander. Sie ist begeistert davon eine Fotoausstellung zu machen. Und das nicht irgendwann, sondern schon im Oktober. Im Pinktober, dem internationalen Brustkrebsmonat. Er wurde 1985 von der American Cancer Society ins Leben gerufen, um weltweit über Brustkrebs, die Wichtigkeit der Früherkennung und die Forschung aufzuklären. Das weltweite Symbol der Kampagne ist die pinke Schleife (Pink Ribbon). Wenn das mal kein perfect match mit unSICHTBAR ist. Wir haben zwar nicht ausschließlich Teilnehmerinnen mit Brustkrebs, aber dennoch sehr viele, da es einfach der häufigste Krebs bei Frauen ist. Ich bin sprachlos und freue mich riesig über diese Möglichkeit unser Projekt zu präsentieren. Die Idee einer Wanderausstellung mit Fotos unserer Teilnehmer habe ich schon länger im Kopf, aber das sie nun so schnell umgesetzt werden kann, habe ich nicht erwartet.

Natürlich werde ich auch gefragt, ob ich dafür Geld brauche, was laut ihrer Aussage ein Problem werden könnte. Ich verneine und spüre die Erleichterung am anderen Ende des Telefons. Geld ist nicht das Wichtigste, sondern mir sind gute Kooperationen und Multiplikatoren ebenso wichtig. Das Geld kommt dann auf anderen Wegen zu uns. Ich werde versuchen mit Geldspenden einzelner Bildpaten das Ganze quer zu finanzieren. Jeder Bildpate kann dann auf Wunsch seinen Namen auf dem Bild platzieren lassen und somit wird eine Verbindung zwischen Spende und Bild geschaffen. Die Bilder sollen später auch an anderen Stellen ausgestellt werden können. Total euphorisiert lege ich auf und berichte meinem Mann davon. Es ist einfach unglaublich wie viel Zuspruch ich erfahre und wie weit wir mit unSICHTBAR schon gekommen sind. Nach nicht mal einem Jahr haben wir bereits acht Fotoshootings mit insgesamt 40 Teilnehmerinnen umgesetzt. Und es werden noch viele weitere folgen.

Zur Feier des Tages beschliessen wir am Abend noch Sushi essen zu gehen. Wir fahren nach Limburg in ein Restaurant mit einem Running-Sushi und all you can eat. Als wir eintreten begrüßt uns die Inhaberin überaus freundlich und fragt mich, ob ich mir die Haare geschnitten habe und wann. Ich war total verblüfft, denn als wir das letzte mal hier waren, trug ich meine Perücke und das ist schon über ein Jahr her. Sie konnte sich offensichtlich an mich erinnern. Ich erzählte ihr also den Grund für meine „neue“ Frisur. Aber ich war so gerührt von dieser Aufmerksamkeit. Das ist mir so noch nicht passiert. Und wenn ich diesen Freitag so Revue passieren lasse, ist einfach so viel Positives passiert und ich gehe beschwingt ins Wochenende.