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Shoppingfrust

Aufgrund meiner starken körperlichen Veränderung in den letzten Monaten habe ich eh schon ein gespaltenes Verhältnis zu meinem Körper. Ich habe einige Pfunde zu viel, meine Hosen kneifen und sitzen hauteng. Gut, bei schlanken Frauen mit einer knackigen Figur mag das schön aussehen, aber bei mir tut es das nicht. Und ich fühle mich selbst nicht wohl, wenn die Röllchen über den Hosenbund quillen und ich bei jeder Bewegung Angst haben muss, dass irgendwo eine Naht nachgibt.

Also fasse ich den Entschluss einfach mal ein wenig entspannt shoppen zu gehen. Ich habe mich sogar ein wenig darauf gefreut. Ich fahre los und verbinde den Ausflug noch mit einem Zwischenstop im Brustzentrum in Limburg, um dort Flyer von unSICHTBAR auszulegen. Das Projekt lebt von Werbung und vielleicht gibt es auch dort Patientinnen, die gern einmal an einem professionellen Fotoshooting teilnehmen möchten. Das Krankenhaus in dem sich das Brustzentrum in Limburg befindet ist mir echt suspekt. Bei meinem Bruch im letzten Jahr wurde ich notfallmäßig dort eingeliefert und durfte eine Übernachtung wahrnehmen. Es ist ein altes Haus und wirkt auf mich alles etwas unkoordiniert. Aber wer es nicht anders kennt, wird das wahrscheinlich nicht so sehen. Ich habe eben den Vergleich zur Hochtaunusklinik in Bad Homburg – ein großes Klinikgelände mit neuen und modernen Einrichtungen. Bin dadruch vielleicht auch etwas verwöhnt. Wobei die Optik ja bekanntlich nicht alles ist, wichtig ist die Versorgung und die Betreuung. Aber da habe ich in Limburg auch keine guten Erfahrungen gemacht. Egal, meine persönliche Ansicht. Aber die Flyer für die Patienten habe ich dennoch platziert.

Die erste grenzwertige Erfahrung des Tages durfte ich in dem Parkhaus der Klinik machen. Es gibt nur eins und das war proppe voll. Ich lege mich also auf die Lauer nach einem Parkplatz und werde bald fündig. Was mir aber die Schweißperlen auf die Stirn trieb, waren die Auf- und Abfahrten innerhalb des in die Jahre gekommenen Parkhauses. Die Kurven sind extrem eng und noch dazu befinden sich dort hohe Bordsteinkanten. Somit schlich ich um diese Kurven, in der Hoffnung nirgends anzuecken. Die vielen Farbspuren an den ebenfalls dort befindlichen Eckpfeilern lassen vermuten, dass es häufig nicht gelingt sich unbeschadet zwischen den einzelnen Etagen zu bewegen. Durchgeschwitzt von dem Weg zur Ausfahrt verlasse ich endlich das Klinikgelände. Mein Puls beruhigt sich langsam und ich freue mich auf´s shoppen.

Nächster Stop – ein Parkhaus in der Innenstadt. Etwas großzügiger gebaut, aber eine endlos wirkende Auffahrt in einer Spirale auf dem Weg nach oben zu den Parkplätzen. Vielleicht sollte ich Parkhäuser zukünftig meiden, aber in den meisten Innenstädten gibt es kaum noch Aussenparkflächen. Nachdem ich endlich einen Parkplatz gefunden habe, starte ich mit meiner Shoppingtour. Ich streune durch die Reihen im ersten Laden und finde ein paar schöne Stücke, die ich gern anprobieren möchte. Alles eine Kleidergröße größer, denn ich habe keine Lust mehr auf kneifen und kniepen. Ich möchte mich wohlfühlen in meiner Kleidung. Ich beginne langsam das zu akzeptieren, aber auch das ist ein Prozess, der im Kopf ankommen muss. Es ist nicht mehr der Körper wie vor der Therapie.

Mit vollem Arm steuere ich auf die Umkleide zu. Schon nach der zweiten Hose merke ich wie eine Hitzewelle in mir aufsteigt und es hat gerade einmal 20 Grad Aussentemperatur. Noch ein Teil, aber mein Körper fühlt sich an wie geduscht – das Wasser schießt aus allen Poren hervor. Meinen Handventilator, der mir dann meist Abkühlung verschafft, habe ich ausgerechnet an diesem Tag zu Hause vergessen, worüber ich mich schon mächtig ärgere. Von fünf anprobierten Teilen, darf eines in meinen Kleiderschrank einziehen und ich steuere auf die Kassen zu. Ich schwitze, das Wasser läuft mir die Schläfen herunter und mein Nacken ist komplett nass. Ich tupfe mir die Stirn, denn wischen geht nicht, dann sind meine angemalten Augenbrauen weg. Vor mir an der Kasse stehen sieben Leute und ich breche in Panik aus, so dass der Schweiss nur noch so läuft. In diesem Moment beschliesse ich die Shoppingtour abzubrechen und wieder nach Hause zu fahren. Ich eile zum Auto, drehe die Lüftung und die Klimaanlage auf volle Power und aklimatisiere mich ganz langsam. So heftig hatte ich das noch nicht. Und ich habe das Gefühl, dass es trotz der einjährigen Einnahme der Tabletten mit den Nebenwirkungen doch noch schlimmer als besser wird.

Learning des Tages – gehe niemals ohne Ventilator und Augenbrauenstift aus dem Haus. Zukünftig werden wohl auch noch ein paar Tupftücher in meine Handtasche einziehen, die ich dann für solche Momente immer bei mir habe. Was ist nur aus meinem unbeschwerten Leben geworden? Ich versuche es wie immer mit Humor zu nehmen, aber es macht doch auch ein wenig nachdenklich. Und ich kann mir gut vrostellen, dass dies auch zur Isolation der betroffenen Menschen führt, die sich damit nicht mehr vor die Tür wagen.