Mutmacherin
Dieses Wort begegnet mir immer wieder. Ihr erinnert euch sicherlich, dass ich bereits zu Beginn meiner Erkrankung im Wartezimmer des Brustzentrums darüber „gestolpert“ bin und mich motiviert hat genau das zu werden. Ich selbst sehe das nicht so, aber meine Aussenwelt spiegelt mir das immer häufiger zurück.
Letzten Samstag war ich auf einem Patienten- und Angehörigentag, dem Onkologietag, in der Hochtaunusklinik in Bad Homburg. Mit einem Stand durften wir unSICHTBAR im Foyer der Klink präsentieren. Leider waren nur sehr wenige Menschen gekommen, aber die Gespräche, die ich geführt habe, waren dennoch sehr intensiv und gut zur Erweiterung unseres Netzwerkes. Direkt neben unserem Stand war ein Perückenstand aufgebaut und ich bekam ein Gespräch einer älteren Dame mit, die erwähnte, das sie gerade mit der Therapie begonen hat. Als sie sich zum gehen abwendete und an mir vorbeikam, wünschte ich ihr noch alles Gute für die Therapie und sprach ihr ein paar nette Worte zu. Ich verwies auf das neben mir stehende Rollup auf dem ich mit Glatze zu sehen war. Sie schaute mich fassungslos an und war überrascht, wie gut es mir heute geht.
Wir kamen näher ins Gespräch, auch ihr Mann war dabei. Es stellte sich heraus, dass sie bereits zum zweiten mal eine Krebsdiagnose bekommen hat. Sie hat Angst vor dieser Ungewissheit, ob alles gut werden würde. Die Angst kann ich ihr nicht nehme, denn die habe ich auch. Aber ich habe Verständnis für ihre Situation. Ihr Umfeld reagiert teilweise mit Ausgrenzung und Unverständnis, sie muss sich rechtfertigen. Das kostet Kraft, die man eigentlich für die anstrengende Therapie braucht und belastet den Kopf. Sie ist sehr nachdenklich und fragt sich, was sie tun kann. Nichts – einfach drüberstehen. Zum Abschluss unseres Gespräch gab ich ihr noch unseren Flyer in die Hand und ermutigte sie einfach mal einen Tag Auszeit bei uns in einem Fotoshooting zu nehmen. Sie lächelte und sagte: Sie sind eine wahre Mutmacherin! Wow, das klingt gut und tut gut. Es machtmich stolz, dass die Menschen das sehen. Und ja – genau das möchte ich sein. Den Menschen einfach Mut machen. Unser Körper ist stark, aber es braucht einen freien Kopf für die Therapie. Kraftzehrende Dinge sollten wir von uns weitestgehend fernhalten.

