Erster Spaziergang
Das Wochenende war ziemlich entspannt. So war es auf Grund meiner Operation aber auch geplant. Am Samstag war unsere mittlere Tochter mit dem Kleinen zu Besuch. Er ist jetzt zwei Monate alt und nimmt seine Umwelt nun sehr aufmerksam wahr. Sobald er einen anlächelt, geht einfach das Herz auf. So ein kleines Lebewesen und mit nur einem Lächeln kann es einem den Tag versüßen. Den Samstagmorgen startete ich mit einer Trennung – ich ließ die zweite Krücke in der Ecke stehen und war den gesamten Tag nur mit einer Gehhilfe unterwegs. Schon ein gutes Gefühl, denn nun hatte ich endlich eine Hand frei, um kleine Dinge selbst zu tragen. Da ich aber das Bein noch schonen wollte, verbrachte ich viel Zeit auf dem Sofa oder auf den Terassenmöbeln. Und das war gut für den Kleinen, denn so konnten wir beide ganz viel Kuschelzeit miteinander verrbingen, bei der er seelig schlief. Die Mama hat´s gefreut, denn sie hatte ein paar kindfreie Stunden, die sie genießen konnte.
Am Sonntag trennte ich mich dann auch von der zweiten Krücke – tschüß und auf nimmerwiedersehen. Ich hoffe, dass ich diese Dinger nie wieder brauchen werde. Die erste Hürde des Tages war die Treppe, denn irgendwie musste ich ja nach unten gelangen. Ganz langsam und behutsam nahme ich jede einzelne Stufe bis ich unten ankam. Mein Mann kam mir hinterher gerannt und brachte meine Gehhilfe. Er schaute mich verdutzt an und ich erzählte, dass ich die Treppe bereits heruntergelaufen sei. Sein erstaunter Gesichtsausdruck war unbezahlbar und auch etwas mahnend. Warum ich denn nicht auf ihn gewartet hätte? Weil ich endlich wieder selbständig und allein Dinge erledigen können will. Nach dem Frühstück ging es in den Garten, die Blumen brauchten etwas Pflege. Die schwere Gießkanne übernahm mein Mann, aber das Entfernen verwelkter Blüten machte ich selbst. Es blüht alles so schön und es ist im Moment nicht mehr ganz so heiß. Ich liebe den Sommer mit seinen Farben und den Blumen in unserem Garten.
Den Rest des Tages verbrachten wir ganz entspannt auf dem Sofa. Zum Abschluss des Tages gab es aber noch eine kleine Spazierrunde. Langsam und gemütlich liefen wir gemeinsam ein paar Schritte. Das tat gut, denn die letzten Tage habe ich viel im sitzen und liegen verbracht. Es klappte erstaunlich gut und ich war am Ende schon ein wenig stolz auf mich. Die Narbe schmerzt kaum und verheilt sehr gut. So komme ich meinem ambitionierten Plan, knapp zwei Wochen postoperativ durch Wien laufen zu können, ein Stück näher. Dieser Kurztrip mit Freunden ist schon länger geplant und die Operation wollte ich auf keinen Fall verschieben. Jeden Tag ein Stückchen mehr. Es ist alles nur ein Frage des Trainings. Und des festen Willens.

