Ein Jahr AHT
Vor exakt einem Jahr wurde ich nach meiner brusterhaltenden Operation aus der Klinik entlassen und habe mit der Antihormontherapie gestartet, die mich für insgesamt fünf Jahre begleiten wird. Alles in der Hoffnung, dass der Krebs niemals wieder zurückkehren wird. Ein Jahr ist lang und dennoch sehr schnell vergangen. Hinter mir liegen insgesamt 15 Blutentnahmen, 2 Knocheninfusionen und 28 Arztbesuche. Nach dieser Zeit lassen sich die bisherigen Nebenwirkungen dieser Tablettentherapie ganz gut zusammenfassen.
Gewichtszunahme – meine Waage kennt nur noch einen Weg und zwas den nach oben. Ingesamt sind es nun schon sechs Kilo mehr seit Beginn meiner Krebstherapie. Ich hatte während der Chemo sieben Kilo verloren, aber die waren danach auch genauso schnell wieder drauf. Jetzt eben noch ein paar Kilos mehr. Mnache Tage fühle ich mich sehr unwohl in meinem Körper.
Erneuter Haarausfall – das macht mir ziemlich zu schaffen. Meine Haare werden immer dünner und täglich verliere ich Haare bedingt durch die Therapie. Ich kann nur hoffen, dass nach den fünf Jahren noch irgendwelche Haare auf dem Kopf sind. Im Moment reduziert das aber teilweise extrem mein Wohlfühllevel. Ich finde mich nicht schön, manche Tage möchte ich mich nicht im Spiegel anschauen. Ich überlege, ob ich mir irgendwelche Kopfbedeckungen zulege oder Perücke tragen soll. Ich trage jetzt häufiger meine Brillen mit Fensterglas, einfach um den Blick der Betrachter von meiner nicht vorhanden Haarpracht abzulenken. Es sind nur Haare, aber ich hatte mich gerade wieder an den Anblick mit Haaren auf dem Kopf gewöhnt und muss nun schon wieder darüber nachdenken, was ich mit den wenigen Haaren machen soll.
Kondition & Konzentration – beides lässt zu wünschen übrig. Längere Spaziergänge sind tagesform abhängig aber möglich. Nur wenn es so heiß ist und die Sonne knallt, bin ich lieber drin als draussen. Ansonsten mache ich zwei- bis dreimal pro Woche morgens eine halbe Stunde meinen Yoga-Pilates-Mix per Youtube. Neu hinzugekommen als Krafttraining ist das tägliche Planken im Unterarmstütz. Alle Muskeln im Körper sind angespannt und man versucht sich so lange wie möglich in dieser Position zu halten. Bei der Konzentration spüre ich auch, dass bei viel Arbeitslast diese sehr schnell nachlässt und ich häufiger Pausen einlegen muss. Meine Aufmerksamkeitsspanne hat sich ebenfalls deutlich verkürzt. Damit kann ich allerdings gut umgehen und höre auf die Signale meines Körpers. Was nicht geht, kann auch später erledigt werden. Alles kann, nichts muss.
Karpaltunnelsyndrom – ist je nach Tagesbelastung mehr oder weniger stark ausgeprägt, meistens spüre ich es nachts, wenn mir permanent die Finger einschlafen und die Hände schmerzen. Es ist erträglich und somit besteht für mich noch kein weiterer Handlunsgbedarf.
Zusätzliche Therapien – zu den ohnehin vielen Terminen gesellten sich noch die Ergo- und Physiotherapie wegen der Schmerzen im rechten Schulterbereich. beides brachte nur kurzweilig Besserung. Jetzt versuche ich es mit Osteopathie.
Schlechte Blutwerte – immer im Grenzbereich unterwegs, therapiebedingt. Ich hoffe, mein Körper kann die vielen Medikamente gut „verdauen“. Als ich letzte Woche wegen der Sprunggelenksoperation noch zusätzliche Schmerzmittel in Tablettenform nahm, zeigte mir mein Magen direkt die rote Karte. Er reagierte mit ganz heftigen Sodbrennenattacken, sodass ich die Zusatzmedi schnell wieder abgesetzt hatte. Im vier Wochen Rhytmus wird bis August 2028 mein Blutbild in der Onkologie kontrolliert.
Sonstiges – Stimmungsschwankungen, schlaflose und nicht erholsame Nächte, extrem starke Hitzewallungen. Viele tun das unter normalen Wechseljahresbeschwerden ab. Mag sein. Wird bei Krebspatienten aber durch die Medikamente noch deutlich verstärkt.
Alles in allem war es dennoch ein gutes Jahr. Hey – ich lebe und habe ein Jahr Lebensfreude geschenkt bekommen. Es sind viele wunderschöne Dinge geschehen und ich freue mich auf viele weitere Jahre mit allem was da kommen mag. Und mit dem Laufen klappt es auch wieder. Die Wunde am Sprunggelenk macht keine Probleme und verheilt sehr gut. So kann ich am Samstag einen schönen Tag mt allen Kindern und Enkelkindern in der Lochmühle, einem Freizeitpark, verbringen und am Dienstag geht´s mit Freunden für ein paar Tage nach Wien zum Städtetrip. Ich genieße einfach das Leben.
