Redezeit
Mein Fotoprojekt für Krebspatienten und somit die neugegründete gemeinnützige Organisation unSICHTBAR ist das diesjährige spendenbegünstigte Projekt der Prinzessin der SKG Bad Soden. Die Prinzessin verkauft in jedem Jahr ihren Orden in einer verkleinerten Version als Pin. Die Erlöse aus dem Verkauf dieser Pins gehen immer zu Gunsten eines gemeinnützigen Projektes. In diesem Jahr wurde unSICHTBAR dafür ausgewählt.
Letzten Samstag war es dann soweit und ich durfte auf der großen Kostümsitzung unSICHTBAR vorstellen. Seit einigen Wochen habe ich eine Rede extra dafür vorbereitet und einstudiert. Schließlich spricht man nicht jeden Tag vor rund 300 Zuschauern und große Bühnenerfahrung im Redenschwingen habe ich auch nicht. Ebenfalls habe ich zwei Rollups dafür vorbereitet. Es zeigt mich mitten in der Chemo – ungeschminkt und etwas abgemagert. Das zweite zeigt ein Foto meines Fotoshootings an dem ich selbst in München teilgenommen habe – aufgepimpt und super gestylt. Größer können die Kontraste nicht sein.
Beide Rollups stehen auf der Bühne, mit der Rückseite zum Publikum. Während meiner Rede werden sie einzeln umgedreht. Als das Erste umgedreht wird und mich ungeschminkt zeigt, wird es ganz still im Saal, so die Erzählung meines Mannes, der mich begleitet hat und im Publikum saß. Zu dem Zeitpukt wird den Menschen wohl erst klar, dass ich selbst eine Krebspatientin bin. Gespickt mit ein paar Ausführungen zu meinem Gefühlszustand in dieser Zeit fange ich das Publikum ein. Danach wird das zweite Rollup umgedreht, das mich gestylt und geschminkt zeigt und der Saal beginnt zu toben. Ein tosender Applaus geht durch die Reihen und ich bekam eine Gänsehaut. Damit hatte ich nicht gerechnet. Natürlich freute ich mich riesig darüber, denn es zeigte mir, dass die Menschen meine Message und den Sinn von unSICHTBAR verstanden haben.
Ich rufe das Publikum zum Spenden für uns auf und gleichzeitig werden Spendenboxen durch die Reihen gegeben. Wenn jeder nur einen Euro geben würde, wäre das schon eine große Unterstützung für uns. Mit zwei prall gefüllten Spendenboxen und einer spontanen Einladung zu einer Damensitzung eines anderen Karnevalsvereins im Februar verlassen wir die Veranstaltung. Ich bin überglücklich und voller Adrenalin. Es hat mir große Freude bereitet und ermutigt mich diesen Weg weiter zu gehen.
