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Gesund oder krank?

Eigentlich bin ich irgendwas dazwischen. Die Tabletten erinnern mich täglich daran, dass ich immernoch in Therapie bin. Zwar nicht mehr so heftig, aber es ist noch nicht abgeschlossen. Und auch mein Körper signalisiert mir, dass er noch nicht wieder auf dem alten Level ist. Das wird er wahrscheinlich auch nicht mehr erreichen, damit habe ich mich schon abgefunden. Aber ich lebe und kann mich an den schönen Dingen des Lebens erfreuen.

Mittlerweile kann ich sehr gut beurteilen, wie sich ein Leben nach einer Krebstherapie anfühlt. Du wirst damit konfrontiert, dass alle Menschen um dich herum glauben, dass nun alles wieder gut ist. Ist es aber nicht. Man sieht mir äußerlich nichts mehr von all dem an. Die Spuren der Therapie sind für mich aber tagtäglich spürbar. Ich habe mich daran gewöhnt, weil mir keine andere Wahl bleibt. Das ist der Preis, den ich für ein Weiterleben zahlen muss. Und ich versuche das Beste daraus zu machen. Die Hitzewallungen sind unverändert stark. Von meiner Frauenärztin wurde mir ein Medikament empfohlen, dass sie etwas lindern soll, damit ich nachts endlich mal wieder einen erholsamen Schlaf bekomme. Natürlich nicht auf Rezept, sondern als Privatleistung. Und ich habe mir zwei kleine Ventilatoren für die Handtasche zugelegt, die ich bei mir trage und die zum Einsatz kommen, sobald die Hitze in mir aufsteigt. Noch lässt die Wirkung des Medikamentes auf sich warten, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Aber eine Nacht ohne heftige Schweissausbrüche von denen ich wach werde, wäre wirklich mal wieder toll.

Den schlechten Schlaf spüre ich nur bedingt tagsüber, ich komme damit zurecht. Aber es ist eben nicht gesund, da der Körper sich nicht ausreichend erholen kann. Gewisse Prozesse passieren in unserem Körper nunmal während dem Schlaf. Es gibt viele Tipps von der Außenwelt. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Die Ärzte sind dabei nicht wirklich eine große Unterstützung. Manchmal habe ich das Gefühl, dass viele denken, das dieses Jammern nicht berechtigt ist. Aber nicht umsonst wird in manchen Ländern Schlafentzug als Folter genutzt. Es macht auf Dauer etwas mit unserem Körper. Und bedingt durch meine Tablettentherapie darf ich auch nicht einfach so irgendwelche Pillen oder Mittelchen in mich reinwerfen, da die Wechselwirkungen nicht bekannt sind und die eigentliche Wirkung manchmal auch unterdrücken können. Es ist alles nicht so einfach.

Die Arzttermine werden nur sehr langsam weniger – immernoch alle vier Wochen Blutkontrolle in der Klinik, Nachsorge in der Strahlentherapie, Kontrolle beim Kardiologen, Mammografie und Ultraschall im Brustzentrum, vier Termine beim Osteopathen. Dazu kommt noch der Orthopäde, damit ich endlich das Metall wieder aus meinem Fuss rausbekomme. Die Suche nach einem Chirurgen, der das dann auch ambulant operiert war alles andere als einfach, aber das ist eine komplette Geschichte für sich und schreibe ich in einem separaten Beitrag.

Zu allem Übel habe ich mir gestern noch einen Zahn abgebrochen, sodass ich nun zusätzlich noch den zahnarzt aufsuchen muss. Von den Kosten für die Reparatur des Zahnes ganz zu schweigen.