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unSICHTBAR

Gestern war unser drittes Fotoshooting für Krebspatienten. Vier Teilnehmerinnen und ein tolles ehrenamtliches Team bestehend aus Helfern, Makeup Artists und einer Fotografin. Sie alle sind Mutmacherinnen. Alle lernen so viel voneinander. Es gibt keine Berührungsängste im Umgang mit den Krebspatientinnen. Und umgekehrt spürt man bei den Teilnehmerinnen die Offenheit und Erleichterung über all das reden zu können, was sie bewegt. Ganz unterschiedliche Geschichten – Familie, Krankheit, einfach alles. Ein Shootingtag ist von ganz viel Spaß geprägt, wir lachen sehr viel und es ist eine großartige Energie im Raum. Die Stimnung ist gelöst und wird mit jeder Minute lockerer. Es gelingt uns einen Safe Space zu schaffen, eine Wohlfühlatmosphäre.

Ankommen und loslassen. Den Alltag hinter sich lassen, auch für unsere ehrenamtlichen Unterstützer. Eintauchen in eine andere Welt. Und das fühlt sich so gut an. Ich beobachte ganz viel die Interaktionen unter den Menschen und bin dankbar, dass mir so viele zur Seite stehen. Mit mir diese Idee zum Leben erweckt haben und sie auch weitherin mit Leben füllen. Es sprudeln neue Ideen für Angebote, die wir gern umsetzen wollen. Und es bilden sich neue Netzwerke untereinander. Es werden Kontaktdaten ausgetauscht und Empfehlungen gegeben – es ist wunderbar zu sehen, wie es nicht einfach nur ein Fotoshooting ist, sondern es ganz viel menschelt untereinander.

Noch vor einem Jahr steckte ich selbst mittenn in der Chemotherapie, im Kampf gegen den Brustkrebs. Es ist so viel passiert in dieser Zeit. Ich habe so viele neue Menschen kennengelernt und damit meine ich nicht nur das medizinische Personal in unzähligen Arztpraxen und anderen Einrichtungen. Diese Krankheit hat mich gezwungen meine Komfortzone zu verlassen, aber mir auch so viele Chancen für Neues gegeben. Ich blicke auf ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Aber ich ich bin dankbar für diese Zeit, für all die Begegnungen und Menschen. Einige davon sind neue Wegbegleiter und Freunde geworden.

Mein Blick auf das eigene Leben ist ein anderer und mit unSICHTBAR habe ich meine Bestimmung gefunden. Ich möchte noch ganz vielen Krebspatienten aufzeigen, dass ihr wahres ICH noch da ist. Irgendwo ganz tief begraben, aber gemeinsam können wir es zum Vorschein bringen. Ich möchte ihnen Mut machen und sie inspirieren sich auf Neues einzulassen. Den Alltag vor der Krebserkrankung gibt es nicht mehr. Und wir sollten auch nicht versuchen, genau an diesem festzuhalten. Wir haben uns während der Therapie in kurzer Zeit sehr stark verändert. Das passt nicht mehr zu dem Leben davor. Wir müssen und dürfen uns einen neuen Alltag schaffen. Wir sollten es nicht als Last sondern als Chance sehen.

Nach all der Freude über das gelungene Fotoshooting und den Erfolg von unSICHTBAR wird unsere neue Woche mit der Beerdigung unserer Krebsfreundin beginnen. Sie starb kurz vor Weihnachten, für uns immernoch unfassbar. Das wird ein trauriger Tag, aber wir sehen ihren Mann wieder und bekommen vielleicht noch eine Antwort darauf, warum am Ende alles so schnell ging.